Der Karpfen und das Zugnetz im Aischgrund
Aischgründer Spiegelkarpfen: Geschichte im Zugnetz

Zwischen Nürnberg und Würzburg liegen rund 2.800 Hektar Teichfläche, verteilt auf die Weiherlandschaft des Aischgrunds. Seit Jahrhunderten prägt dort der hochrückige Aischgründer Spiegelkarpfen die Landschaft. Er trägt nur wenige Schuppen und gilt in Mittelfranken als Markenzeichen von Teich, Küche und Handwerk.
Wenn der Teich zum Fangplatz wird
Der wichtigste Arbeitstag beginnt mit dem Ablassen. Das Wasser zieht sich langsam zurück, die Karpfen sammeln sich an der tiefsten Stelle vor dem Mönch. Dort liegt die Abfischgrube, ein tieferes Lager von etwa 20 bis 50 Zentimetern. Während Frischwasser nachströmt, ziehen die Teichwirte das Zugnetz durch den Weiher.
Diese Bewegung ist mehr als eine Fangtechnik. Sie ordnete den Jahreslauf der fränkischen Teichwirtschaft und verlangte eingespielte Handgriffe. Rund 1.200 Teichwirte arbeiten in dem geschlossenen Gebiet um Neustadt an der Aisch, Uehlfeld, Höchstadt und Adelsdorf. Im kalten Wasser glänzt der Fang, bevor er im Teichkescher landet.
Auch die Küche bewahrt diese Geschichte. Vom 1. September bis zum 30. April stehen in den Gasthäusern die klassischen R-Monate im Zeichen des Karpfens. Ein halber gebackener Karpfen kommt knusprig auf den Teller, blau gesotten bleibt er milder und feiner. Dazu gehören Kartoffeln, Salat und fränkische Gelassenheit.
In naturnahen Teichen des Steigerwalds wachsen die Fische bei einem Besatz von etwa 800 bis 1.000 Tieren je Hektar heran. Wenn am Abend Nebel über den Weihern liegt, bleibt vom Abfischen nur noch das leise Plätschern am Mönch und der Duft von gebackenem Karpfen aus dem Dorfwirtshaus.