Kieler Sprotten und der Rauch der Ostsee
Eckernförde: Wo die Kieler Sprotten nach Ostsee schmecken

Rund 25 Kilometer nordwestlich von Kiel liegt Eckernförde, der wohl berühmteste Ort für Kieler Sprotten. Wenn über der Kieler Förde die Dämmerung hereinbrach, begann früher die Arbeit der Fischer: Kleine, silberne Sprotten wurden mit Handwaden dicht am Ufer gefangen, rasch verarbeitet und noch in der Nacht zum Räuchern gebracht. Die Saison reichte traditionell ungefähr von September bis Mai.
Die Sprotte, wissenschaftlich Sprattus sprattus, bleibt für diese Spezialität meist höchstens zehn Zentimeter lang. Gerade ihre geringe Größe macht den Reiz aus. Die Fische kommen im Ganzen in den Rauch, und ihr Fett nimmt das Aroma besonders schnell auf. Über Buchenholz entsteht zunächst die kräftige Wärme, anschließend sorgt Erlenholz für die goldene Farbe und den typischen, leicht süßlichen Rauchton.
Der Altonaer Ofen und die kleine Räucherei
In alten Erzählungen gehört der Altonaer Ofen fest zu dieser Küstenküche. Über offenem Feuer hingen die Fische dicht nebeneinander, während draußen Hafenlicht auf dem Wasser tanzte und in der Räucherei kaum mehr als das Knacken des Holzes zu hören war. Moderne Betriebe arbeiten vielfach mit Maschinen, doch kleine Räuchereien an der Ostsee bewahren den handwerklichen Charakter.
Frisch geräucherte Kieler Sprotten landen am besten noch warm auf dem Tisch. Dazu passen kräftiges Bauernbrot, Butter und ein schlichtes Glas Bier aus Schleswig-Holstein. Gegessen wird die Delikatesse traditionell fast vollständig, oft direkt aus der Hand. Der norddeutsche Spruch dazu lautet: „Kopp un Steert sünt nix weert.“
Am Abend führt die kulinarische Spur von Kiel über die Kieler Förde bis nach Eckernförde, vorbei an Hafenmolen, Fischbuden und kleinen Räucheröfen. Im Licht der Laternen glänzen die goldenen Sprotten auf dem Papier, während Buchen- und Erlenrauch über der Ostsee hängt.