Maifliegenabend an der Wiesent
Wenn die Wiesent im Abendlicht schlüpft

Gegen 18 Uhr kippt an der Wiesent bei Waischenfeld die Stimmung. Über dem fränkischen Wasser tanzen die ersten Maifliegen, und unter der Oberfläche werden Bachforellen unruhig. Kurz darauf steigen auch Äschen, vorsichtig zunächst, dann in regelmäßigen Ringen. Für die Fliegenbinder aus der Fränkischen Schweiz ist dieser Abend kein gewöhnlicher Ansitz, sondern ein festes Ritual zwischen Handwerk, Beobachtung und Petri Heil.
Die besten Szenen spielen sich an den klassischen Fliegenstrecken bei Waischenfeld, Pottenstein und an der Hammermühle ab. Dort liegt die Wiesent glatt zwischen Uferweiden und hellem Kies, während die Forellen jeden künstlichen Schatten prüfen. Eine sauber präsentierte Trockenfliege muss stromauf oder schräg stromauf landen und genau in der natürlichen Drift bleiben. Schon ein kleiner Widerstand im Vorfach lässt den Fisch abdrehen.
Die Muster in der alten Fliegendose
In den Dosen liegen schlanke Adams, Blue Dun und Large Dark Olive neben Rehhaar-Sedge und CDC Elk Caddis. Während des Maifliegenschlupfs dürfen die Imitationen größer ausfallen, häufig in Hakengrößen 8 bis 12. Entscheidend bleibt nicht die auffällige Farbe, sondern die Silhouette auf dem Wasser. Viele fränkische Binder beschneiden Rehhaar und Körper so lange, bis das Muster leicht landet und trotzdem stabil schwimmt.
Zwischen 19 und 20.30 Uhr erreicht der Schlupf oft seinen Höhepunkt. Vorher bringen Nymphen und aktive Aufsteiger Bewegung in die Strecke, danach öffnet sich das kurze Fenster für die Trockenfliege. Ein 17er Vorfach gibt die nötige Feinheit, bei kräftigen Maifliegen darf das Material jedoch etwas robuster ausfallen. Wenn die Oberfläche spiegelglatt wird, zählt jeder Zentimeter freie Drift.
Später, wenn an der Hammermühle nur noch das Glucksen der Strömung zu hören ist, bleiben einzelne Ringe im dunklen Wasser stehen. Dann wird aus dem Fang ein Stück fränkische Nachtgeschichte: Bachforelle, Fliegenbinder und Wiesent verschmelzen für wenige Minuten zu einer stillen Szene, die nach nassem Leder, Kräutertee und kaltem Fluss riecht.
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