Die Bodensee-Hegene bei Wasserburg
Die Bodensee-Hegene bei Wasserburg

Bei Wasserburg liegt die bayerische Halde bis an die 25-Meter-Tiefenlinie ab. Dort beginnt jene stille Zone, in der das Felchenangeln am Bodensee seinen eigenen Rhythmus bekommt: Das Boot driftet, das Echolot zeichnet die Tiefe, und unter dem Rumpf schwebt eine feine Hegene mit mehreren Nymphen.
Ein Kranz kleiner Nymphen
Die Hegene ist kein grobes Gerät. An einem dünnen Vorfach sitzen kleine, farbige Nymphen, die Insektenlarven und Kleinkrebse nachahmen. Das passt zum Bodenseefelchen, das im Freiwasser seine Nahrung sucht und nicht selten genau zwischen zwei Tiefenschichten steht. Der Angler hebt die Rute nur leicht an; die Nymphen zittern, sinken zurück und wirken in der klaren Tiefe erstaunlich lebendig.
Im Sommer lagen traditionelle Hegenen oft zwischen 15 und 25 Metern. Zur Laichzeit zog es die Felchen näher an die flacheren Bereiche. Solche Tiefenangaben gehören in Wasserburg seit Generationen zum Erzählstoff am Steg, ebenso wie die Namen Blaufelchen und Bodenseefelchen. Petri Heil klingt dort weniger nach Spruch als nach einer vertrauten Begrüßung unter Leuten, die Wind und Drift lesen können.
Nach der Ausfahrt wechselt die Stimmung vom offenen See in die Küche. Felchen werden in der Pfanne gebraten oder im Räucherofen zubereitet, mit Salz, etwas Pfeffer und einer schlichten Beilage. Der feine Geschmack passt zum Charakter des Fisches: zurückhaltend, sauber und ohne schwere Gewürze. Wenn am Abend die Lichter von Wasserburg im schwarzen Wasser stehen, liegen die Nymphen bereits getrocknet auf dem Tuch, bereit für die nächste stille Drift über der Halde.