Aale erobern Bodensee und Müritz
Aale erobern Bodensee und Müritz

Die lange Reise eines kleinen Fischs
Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) startet sein Leben mit einer transozeanischen Reise: Larven aus dem Sargassomeer erreichen als Glasaale Nord- und Ostsee und dringen von dort in deutsche Küstengebiete ein. Überraschend ist, wie lokal anpassungsfähig diese globale Wanderung wird: Glasaale kolonisieren nicht nur Rhein, Elbe und Donau-Zuflüsse, sondern finden ihren Weg in scheinbar isolierte Binnengewässer wie Bodensee und Müritz. Die Anlandung erfolgt oft gebündelt in Gezeiten- und Mondphasen, doch danach entfaltet sich ein erstaunlich flexibles Binnenverhalten.
Rätselhafte Wege und Anpassungen
Feldbeobachtungen und Studien zeigen, dass Aale kleine Wasserläufe, Überflutungszonen und feuchte Rohrleitungen nutzen, um Hindernisse zu umgehen; in Hochwasserphasen klettern sie Nebenarme hinauf, nachts kriechen sie über feuchte Untergründe. Diese Fähigkeit erklärt, warum Aale trotz Wehren und Staustufen in vielen deutschen Binnengewässern erscheinen. In Seen wie dem Bodensee verbleiben manche Individuen jahrelang bis Jahrzehnten als Süßwassermigranten, bevor sie sich zur Rückkehr ins Meer verwandeln.
Neue Erkenntnisse aus Telemetrie
Deutsche Forschungsprojekte mit Sender-Aalen dokumentierten unerwartete Binnenbewegungen: Telemetriedaten wiesen Individuen hunderte Kilometer landeinwärts nach und zeigten, dass sich wandernde und „residentere“ Formen nebeneinander entwickeln. Dieses Mosaik aus Wanderstrategien erklärt, wie die Art trotz fragmentierter Habitate in Flusssystemen wie Rhein und Elbe sowie in Seen wie Müritz überdauert und liefert ein überraschendes Kapitel über Fischwanderungen in Deutschland.