Reusen & Pfahlfang: Fischerei seit der Pfahlbauzeit
Reusen und Pfahlfang: lebendige Überreste prähistorischer Fischerei

Archäologie trifft Alltag
Archäologische Ausgrabungen und Rekonstruktionen der Pfahlbauten am Bodensee, etwa im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen, belegen, dass sich schon in der Jungsteinzeit und Bronzezeit Holzpfähle und Fallensysteme zum Einfangen von Fischen fanden. Diese Konstruktionen funktionierten nach demselben prinzipiellen Funnel‑und‑Kammer‑Prinzip, das heutige Reusen (Fyke nets) und Pfahlreusen nutzen.
Regionale Kontinuitäten in Deutschland
In der Mecklenburgischen Seenplatte, an der Peene und in den Boddengewässern der Ostsee überdauern Fischertraditionen, bei denen mit Reusen, Pfählen und zumeist kleinen Kähnen gezielt Aal, Hecht, Zander und Karpfen gefangen werden. Die Holzpfähle, die Netzzugänge bilden, und handgeflochtene Reusen erinnern technisch direkt an die Pfahlfangsysteme der Vorzeit und zeigen eine ungewöhnlich lange kulturelle Kontinuität zwischen Archäologie und heutiger Praxis.
Ein überraschender Zusammenhang
Die Tatsache, dass Besucher am Bodensee historische Pfahlbauten betrachten können und zugleich in Binnengewässern wie der Müritz noch dieselben Grundprinzipien der Fischfalle in Gebrauch sind, macht deutlich, wie eng handwerkliche Fertigkeiten über Jahrtausende hinweg in Teilen Deutschlands verankert blieben — eine kleine, oft übersehene Brücke von der Steinzeit zur Gegenwart.