Geteilte Entwicklung: Angelgerät in Deutschland
Geteilte Entwicklung: Angelgerät in Deutschland

Unterschiedliche Materialkulturen
Die Evolution von Angelgerät in Deutschland verlief nach dem Zweiten Weltkrieg auffällig zweigleisig: Westdeutsche Hersteller wie D.A.M. und Balzer investierten früh in Glasfaser- und später Kohlefaserblanks, was Wurfweiten und Sensibilität bei Hecht und Zander an Rhein und Elbe deutlich verbesserte. In der DDR führten Materialknappheit und lokale Kreativität zu improvisierten Lösungen; Draht, Fahrradteile und selbst lackierte Holzköder entstanden in Heimwerkstätten entlang von Havel und Müritz.
Von Regionalbedarf zu nationaler Innovation
Nach der Wiedervereinigung verschmolzen diese Traditionslinien: Ostdeutsche Köderdesigns fanden Eingang in das Sortiment etablierter Marken, während die Renaturierung des Rheins und die Rückkehr des Lachses neue, kürzere und kraftvollere Fliegen- und Spinnruten für deutsche Flussverhältnisse stimulierten. Das Ergebnis ist eine fischereitechnische Identität, die traditionelle Bastlerkunst und industrielle Hightech-Entwicklung innerhalb Deutschlands vereint.