Die Glücksschuppe: Karpfen‑Glücksbringer an Heiligabend
Die Glücksschuppe: Karpfen‑Glücksbringer an Heiligabend

Ursprung und Brauch
Wer an Heiligabend in Bayern oder Sachsen unterwegs ist, hört bis heute von der alten Sitte: eine Schuppe des Weihnachtskarpfens in die Brieftasche stecken, damit das neue Jahr Glück und Geld bringt. Der Brauch ist kein romantischer Marketing‑Gag, sondern stammt aus einer Zeit, als Karpfen aus den Dörfern und den zahllosen Teichanlagen Süddeutschlands — besonders in Franken und der Oberpfalz — ein Grundnahrungsmittel waren. Weil die Fische oft lebend gekauft und bis zum Fest in Eimern oder sogar Badewannen gehalten wurden, war eine frische Schuppe schnell zur Hand.
Warum ausgerechnet eine Schuppe?
Schuppen sind robust, lassen sich trocknen und wirken wie ein Miniaturling — glänzend, schillernd, fast münzenähnlich. In Volksglauben symbolisieren sie sowohl Wohlstand als auch Schutz vor Unglück. In ländlichen Gebieten rund um Donau‑Nebenflüsse und Teichlandschaften wurden getrocknete Schuppen außerdem als kleine Talismane eingeklebt, lackiert oder einfach ins Portemonnaie gelegt. Manche Fischer aus der Region bewahren noch heute eine „Glücksschuppe“ aus einer besonders großen Karpfenfischerei auf — ein persönliches Ritual zwischen Angler und Fisch.
Kuriose Anekdoten
Besonders charmant ist die Erinnerung daran, dass Kinder einst den Weihnachtskarpfen im Keller oder in der Badewanne nährten — mit Wasserwechsel und Stirnlampe, damit der Fisch am Feiertag frisch auf den Tisch kam. Und wer einmal auf einem Dorfmarkt in Niederbayern eine Großmutter nach dem Schuppen‑Tipp fragt, bekommt oft ein Augenzwinkern und die Empfehlung: lieber eine große, silbrige Schuppe nehmen — das bringt besonders viel Glück.