Der Hechtgeist des Mittelrheins
Der Hechtgeist des Mittelrheins

Legende
In den nebligen Flussbiegungen des Mittelrheins zwischen Koblenz und Neuwied, besonders um Rhein-Kilometer 593 nahe dem Deutschen Eck, erzählt man sich vom Hechtgeist. Die Sage spricht von einem kolossalen Rhein-Hecht, zwei Meter lang und 35 kg schwer, der in der 20 Meter tiefen Strudelrinne dort hauste und im späten Herbst bei Wassertemperaturen von 10–15°C in Kehrbuchtungen von 5–8 Metern Tiefe auftauchte. Angler entlang der Lahnsteiner Pforte und in der Talweitung von Neuwied flüsterten von Augen wie Rheinschiefer und Zähnen, die Köder schnitten.
Erzählungen & Technik
Berichtet wird von einer 2,5-Meter-Glasrute, 30-lb geflochtener Schnur, Einzelhaken Größe 2/0 und Leadcore-Vorfach (10 lb), um lebende Rotaugen oder Barsch sicher in die 3–8 Meter Schlagzonen zu bringen. Eine bekannte Anekdote vom Ufer bei Schloss Namedy schildert, wie ein Fischer im 19. Jahrhundert einen Riesen an einen Spinner hakte; das Boot wurde eine halbe Kilometer gezogen, bis der Hechtgeist auftauchte und mahnend erschien: „Räuchere mich am Ufer, sonst kehre ich zurück.“
Kulinarischer Brauch
Seither rauchten Generationen ihren Fang am Ufer: Filets in 2 cm dicke Steaks schneiden, kräftig salzen, 30 Minuten in Rheinwasser brinen, anschliessend trocknen lassen, bis sich eine leichte Haut bildet, und dann über Erlenchips bei 180–200°C 2–3 Stunden heiß räuchern. Das Ergebnis ist festes, rauchiges Fleisch mit erdiger Note, serviert zu dunklem Brot und Senf.
Nachklang
Bei Stolzenfels sagten Älteste, der Geist patrouilliere im Frühjahr bis in 15 Meter Tiefe entlang der Schilfgürtel. Ob Mythos oder Erinnerung an einen außergewöhnlich großen Hecht, die Sage lehrt Respekt vor dem Rhein, dem Fisch und dem Ritual des Räucherns am Flussufer.
Empfohlen: 2,5 m Glasrute