Nixe der Müritz und der Silberpfennig
Nixe der Müritz: Der Silberpfennig beim Eisangeln

Die Sage
In der Mecklenburgischen Seenplatte erzählt man seit Jahrhunderten die Legende der Nixe von der Müritz: Ein Wasserwesen, dem zufolge Netze, die unter dem Eis vergessen wurden, von der Nixe in die Tiefe gezogen werden. Die Erzählung diente als warnendes Bild dafür, Eisfang nicht leichtfertig zu betreiben und Netzresten im Winter besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Historisch wird die Gestalt der Nixe in Erzählungen aus Orten wie Waren (Müritz) und Röbel genannt, wo Fischerfamilien über Generationen von gesunkenen Netzen und verlorenen Silberstücken berichteten.
Der Brauch
Bis heute halten viele Hobbyangler im Februar an einem kleinen Ritual fest: Beim Stechen eines Eislochs wird eine Münze kurz auf das Eis oder in das Loch geworfen. Diese Geste, ein symbolisches ‘Abkaufen’ der Wassergeister, hat sich zu einer Art Glücksbringer für eine sichere Schicht Eisangeln entwickelt. Lokale Angelvereine und ältere Fischerinnen und Fischer an der Müritz erklären den Brauch als Kombination aus Aberglaube und praktischer Vorsicht — die Münze erinnert daran, Netze nicht unter dem Eis zu lassen und Arbeitsgerät nach dem Angeln zu bergen.
Folklore und moderne Etikette
Die Legende prägt auch heutige ungeschriebene Regeln: Gemeinsames Melden von dünnen Eisstellen, Vermeidung von zurückgelassenen Leinen und Netzen sowie gegenseitige Rücksicht beim Bohren von Löchern. Im Sommer und Frühjahr wird zudem auf Laichplätze von Hecht und Zander geachtet; die Erinnerung an die Nixe überträgt sich in den Respekt vor dem Gewässer und seiner Erholung. So verbindet sich an der Müritz eine lokale Sage mit praktischer Vorsorge und einer Etikette, die das Miteinander auf dem Eis stärkt.