Otolithen enthüllen Wanderrouten deutscher Fische
Otolithen enthüllen Wanderrouten deutscher Fische

Wie Otolithen erzählen
Otolithen – winzige Ohrsteine in Fischen – speichern ein lebenslanges chemisches Tagebuch der Gewässer, die ein Fisch durchquert hat. Forschende am Leibniz‑Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und an mehreren deutschen Universitäten analysieren Spurenelemente in Otolithen, um Wanderungen von Lachs (Salmo salar), Aal (Anguilla anguilla), Forelle und Räuberarten wie Zander und Hecht in Rhein, Elbe und Bodensee nachzuzeichnen. Die Zusammensetzung der Otolithen spiegelt lokale Wasserchemien von Nebenflüssen, Seen und Küstenbereichen wider und ermöglicht so die Rekonstruktion überraschend verschlungener Routen.
Unerwartete Erkenntnisse
Eine bemerkenswerte Erkenntnis ist, dass heimkehrende Rhein‑Lachse trotz Jahrzehnten menschlicher Eingriffe oft ihre ursprünglichen Nebenbäche wiederfinden, weil die »Wasserprints« in Otolithen erhalten bleiben. Proben aus Bodensee und Müritz zeigten zudem, dass manche Hechte und Zander saisonale Langstreckenzüge unternehmen, die früher kaum vermutet wurden. Solche chemischen Reisepässe machen sichtbar, wie komplex und weitläufig die Wanderleistungen deutscher Süß‑ und Brackwasserfische tatsächlich sind.
Bedeutung für Forschung
Die Otolith‑Methodik erlaubt es, Rückkehrer nach Wiederansiedelungsprojekten und natürliche Wanderer zu unterscheiden und so Wanderökologie in Flusssystemen wie Rhein, Donau‑Nebenflüssen und Elbe genauer zu verstehen. Diese Erkenntnisse überraschen Fachleute gleichermaßen und erweitern das Bild der erstaunlichen, oft jahrzehntelangen Reisen, die heimische Fische entlang deutscher Gewässer zurücklegen.