Junge Aale in deutschen Kanalnetzen
Junge Aale in deutschen Kanalnetzen

Ein überraschender Aspekt der Fischwanderung in Deutschland ist das Vordringen junger Europäischer Aale (Anguilla anguilla) in städtische Entwässerungs- und Kanalisationseinrichtungen. Besonders in Hafenstädten an Elbe und Weser, etwa Hamburg und Bremen, dokumentierten Gewässerbiologen und Angler wiederholt das Auftreten von Glasaalen und Schlickaalen in Kanalarmen, Binnenhäfen und Regenrückhaltebecken.
Wie sie das schaffen
Die Tiere nutzen den Tidenhub und Sturmflutspitzen, um in städtische Nebenarme zu gelangen; dazu kommen überraschende Fähigkeiten, feuchte Mauern und nasse Betonflächen zu überwinden. Chemische Orientierung und die Wanderbereitschaft der jungen Aale treiben sie in für Menschen kaum zugängliche Strukturen, wo sie vor Fressfeinden geschützt heranwachsen können.
Bedeutung für Fischwanderforschung und Kultur
Für die Forschung öffnet dieses Verhalten neue Fragen zur Adaptivität wandernder Fischlarven in anthropogenen Landschaften. Für die deutsche Fischkultur bleibt es ein kurioses Kapitel: In historischen Hafenbezirken gehörten Aalfänge in Stadtkanälen lange zum lokalen Raeucherfisch-Handwerk und verdeutlichen die enge, oft unerwartete Verknüpfung zwischen urbanem Raum und großräumigen Migrationszyklen der Fische.