Bremssysteme der Multirolle
Die Bremse einer Multirolle bremst nicht den Köder, sondern die Spule. Das ist wesentlich, denn daraus folgt alles Weitere: je stärker die Bremse, desto kürzer der Wurf — und der Sinn des Einstellens ist nicht, stärker zu bremsen, sondern genau so viel zu bremsen, wie nötig ist.
Was sie tatsächlich bremsen
Beim Wurf zieht der Köder Schnur ab und beschleunigt die Spule. Dann beginnt die Luft den Köder zu bremsen, die Spule aber nicht: sie hat eigene Trägheit und dreht weiter. In diesem Moment läuft mehr Schnur ab, als der Köder aufnimmt, und sie legt sich in Schlaufen.
Die Bremse hat also eine einzige Aufgabe: die Spule den Köder nicht überholen zu lassen. Das ist die Perücke, die der Eintrag über Multirollen beschreibt — die Bremse lässt sie schlicht nicht entstehen.
Die Fliehkraftbremse wirkt am Anfang
Im Inneren der Spule sitzen kleine Klötze auf Stiften. Beschleunigt die Spule, treibt die Drehung die Klötze nach außen, und sie schleifen an einem Ring im Seitendeckel. Je schneller die Spule dreht, desto stärker werden sie angepresst.
Daher ihre Eigenart: sie bremst am stärksten in den ersten Sekundenbruchteilen, solange die Spule beschleunigt, und lässt gegen Ende des Flugs fast los. Eingestellt wird sie mechanisch, indem einzelne Klötze zu- oder abgeschaltet werden.
Die Magnetbremse wirkt gleichmäßig
Hier bremst nicht Reibung, sondern Magnete: sie erzeugen in der metallenen Spule Ströme, die ihr selbst das Drehen erschweren. Auch diese Kraft wächst mit der Geschwindigkeit, wirkt aber über den gesamten Flug und nicht nur beim Anlauf.
Die Einstellung liegt außen — die Magnete werden zur Spule hin und von ihr weg verschoben, oft mit einem Rädchen an der Seite. Das ist bequemer: die Einstellung lässt sich ohne Öffnen der Rolle ändern.
Warum oft beide verbaut sind
Weil sie verschiedene Abschnitte des Wurfs abdecken. Die Fliehkraftbremse nimmt den Überschuss beim Anlauf, die Magnetbremse hält die Spule bis zum Aufsetzen ruhig. Eine Rolle mit beiden lässt Anfang und Ende getrennt einstellen.
Die Spulenspannung ist etwas anderes
Die Schraube an der Seite unter der Kurbel ist keine Bremse in diesem Sinn. Sie nimmt das Längsspiel der Spulenachse heraus und wird vor dem Einstellen der Bremsen gedreht, nicht statt ihrer. Die Reihenfolge steht im Eintrag über das Einstellen der Multirolle.
Keine Bremse ersetzt den Daumen
Keine Bremse weiß, dass gleich Seitenwind den Köder erwischt und dass das Wasser nun nah ist. Die Hand weiß es: der Daumen liegt auf der Spule und bremst sie an zwei Stellen an — am Scheitel der Flugbahn und kurz vor dem Aufsetzen.
Deshalb will die Multirolle gelernt sein. Eine Bremse senkt den Preis des Fehlers, sie erspart die Handlung nicht.
Was wir hier nicht angeben
Wie viele Klötze zuzuschalten sind und auf welchen Strich der Magnet gehört. Das hängt zugleich von der konkreten Rolle, vom Ködergewicht und vom Wind ab, und eine allgemeine Zahl gibt es hier nicht — die kursierenden stammen meist von fremdem Gerät.