Was ist geflochtene Schnur

Geflochtene Schnur kauft man wegen einer einzigen Eigenschaft: Sie dehnt sich nicht. Daraus folgt alles Übrige auf dieser Seite, einschließlich der Gründe, warum Geflecht allein nicht ausreicht und Ergänzung braucht.

Woraus sie besteht

Geflecht ist kein einzelner Faden, sondern ein Bündel aus mehreren zusammengeflochtenen Fasern. Verwendete Werkstoffe sind Polyethylen, Dacron und ultrahochmolekulares Polyethylen (verkauft unter den Handelsnamen Spectra und Dyneema).

Die Faserzahl schreibt der Hersteller auf die Packung: am häufigsten vier, acht und zwölf. Diese Zahl steht auf jeder Spule im Laden, und auf sie lohnt der erste Blick.

Die Haupteigenschaft ist die fehlende Dehnung

Im Vergleich zu gewöhnlicher Nylonschnur hat Geflecht geringen Durchmesser, hohe Festigkeit und keine Dehnung. Monofil dagegen längt sich unter Last.

Die praktische Folge ist einfach. Ein Biss auf große Distanz kommt ohne Dämpfung in der Hand an: Was sich auf Monofil als undeutliche Berührung anfühlt, ist auf Geflecht klar. Aus demselben Grund wirkt der Anhieb über die ganze Wurfweite, nicht nur in der Nähe.

Die Kehrseite derselben Eigenschaft

Die Dehnung des Monofils ist kein Mangel, sondern Arbeit: Sie dämpft die Kraft beim Anhieb und im Drill. Geflecht hat diesen Dämpfer überhaupt nicht.

Deshalb wird ein heftiger Ruck am Ufer oder am Bootsrand durch nichts gemildert — die ganze Kraft trifft sofort Rute, Knoten und Fischmaul. Ausgeglichen wird das nicht durch die Schnur, sondern durch den Rest der Ausrüstung: eine weichere Spitze, eine lockerer eingestellte Bremse und ein Vorfach aus Monofil oder Fluorocarbon am Ende.

Es zeigt sich also: Die Eigenschaft, wegen der man Geflecht nimmt, und die Eigenschaft, wegen der man es nicht blank fischt, sind ein und dieselbe.

Der Knoten

Für geflochtene Schnüre wird der Palomar-Knoten empfohlen: Er taugt für feine Schnüre, wird eigens als geeignet für geflochtenes Dacron genannt und behält fast die gesamte Ausgangsfestigkeit der Schnur.

Das wiegt schwerer, als es klingt: Die Festigkeit der Ausrüstung bestimmt nicht das Geflecht, sondern die schwächste Stelle — und das ist meist der Knoten.

Wo Geflecht am Platz ist

Dort, wo man Grund und Biss auf Entfernung spüren muss: eine Spinnrute in der Strömung geführt, eine Feederrute beim weiten Wurf.

Dort, wo das Abfedern des Rucks wichtiger ist als das Hören der Berührung, wird der Vorzug des Monofils zum Vorteil und nicht zum Mangel.

Was wir hier nicht schreiben

Über Geflecht kursieren genaue Zahlen — Dehnungsprozente, Vergleiche der Scheuerfestigkeit, Wurfweiten. Wir geben sie nicht wieder: eine geprüfte Quelle für diese Zahlen haben wir nicht gefunden, und eine plausible Zahl im Nachschlagewerk ist schlechter als gar keine.

Das Obige stammt aus Beschreibungen des Werkstoffs und des Knotens, nicht aus der Erfahrung eines einzelnen Anglers.


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