Angelschnur: drei Materialien
Die Schnur ist der einzige Teil der Montage, der Angler und Fisch unmittelbar verbindet. Rute und Rolle arbeiten mittelbar mit ihr, sie selbst trägt die ganze Last — und sie ist es, die reißt.
Drei Materialien, drei Verhaltensweisen
Die Wahl steht hier nicht zwischen teurer und billiger, sondern zwischen drei Materialien mit unterschiedlichen Eigenschaften. Jedes gewinnt in einer Sache und verliert im Rest.
- Monofile Schnur — dehnt sich, und das mildert Stöße.
- Geflochtene Schnur — dehnt sich kaum, überträgt also alles, was mit dem Köder geschieht.
- Fluorocarbon — im Wasser am wenigsten sichtbar, dient deshalb als Vorfach.
- Vorfachmaterial — eine eigene Gruppe für den Fall, dass das Vorfach Zähne überstehen muss.
Dehnung entscheidet mehr als Tragkraft
Die Dehnung ist die Haupteigenschaft, in der sich die Materialien unterscheiden. Eine Schnur, die sich dehnt, fängt die Flucht ab und verzeiht einen harten Anhieb, verbirgt aber feine Berührungen. Eine dehnungsarme tut das Gegenteil: sie überträgt jede Berührung, verzeiht aber keine Härte — die Last geht sofort auf Knoten und Haken.
Deshalb kann dasselbe Material am selben Gewässer richtig und falsch sein — je nachdem, ob man wartend oder in Bewegung angelt.
Durchmesser und Tragkraft sind nicht dasselbe
Zwei Schnüre gleichen Durchmessers können unterschiedliche Lasten tragen, und zwei gleicher Tragkraft unterschiedlich dick sein. Der Durchmesser beschreibt, wie auffällig die Schnur ist und wie stark die Strömung an ihr zieht; die Tragkraft, was sie aushält.
Beides zu verwechseln ist teuer: die Montage wird gröber als nötig, und man verliert Weite wie Bisse. Vergleichen sollte man gleiche Größen, nicht Zahl gegen Zahl auf verschiedenen Verpackungen.
Materialien werden kombiniert, nicht gegeneinandergestellt
In der Praxis besteht eine Montage oft aus zwei Materialien: eine Hauptschnur, ein Vorfach aus einem anderen. Man tut das, wenn Eigenschaften gebraucht werden, die ein Material nicht gleichzeitig hat — etwa Feinfühligkeit der Hauptschnur und Unsichtbarkeit des Vorfachs.
Die Verbindungsstelle wird zum schwächsten Punkt, und genau deshalb sind Verbindungsknoten eine eigene Unterkategorie im Bereich Angelknoten.
Schnur verdirbt auch ohne Angeln
Darin unterscheidet sie sich vom übrigen Gerät. Rute oder Rolle liegen jahrelang unverändert, die Schnur altert von selbst: durch Licht, Wärme und Feuchtigkeit. Die Materialien altern unterschiedlich, und das anfangs billigere ist über eine Saison nicht immer billiger.
Die Aufbewahrung behandelt Pflege und Aufbewahrung der Schnur.
Womit die Wahl beginnt
Zuerst die Methode, dann das Material und erst zuletzt der Durchmesser. Die umgekehrte Reihenfolge ist der häufigste Fehler: der Durchmesser wird „mit Reserve" genommen, die Montage wird gröber als nötig und die Wurfweite sinkt. Allgemeine Begriffe — in Was ist Angelschnur und Wie man Schnur auswählt.