Die Seitenlinie und der Köder
Die Seitenlinie ist eine Reihe empfindlicher Zellen in einem Kanal unter den Schuppen entlang der Flanke und am Kopf. Sie liest nicht den Schall, sondern die Wasserbewegung relativ zum Fischkörper.
Was sie genau spürt
Den Geschwindigkeitsunterschied des Wassers nahe der Haut. Ein Köder, der vorbeizieht, zieht eine Störung hinter sich her — und genau sie erregt die Zellen im Kanal. Ein Teil dieser Zellen sitzt im Kanal selbst, ein Teil offen auf der Haut. Ein reglos liegender Köder gibt dieses Signal überhaupt nicht, deshalb schaltet eine Pause die Seitenlinie ebenso ab wie Dunkelheit das Auge.
Die Distanz
Das Organ wirkt nur auf kurze Distanz: in der Größenordnung von ein bis zwei Körperlängen des Fisches selbst. Jenseits dieser Grenze hebt sich die Störung durch den Köder nicht mehr von der allgemeinen Wasserbewegung ab — von Strömung, Welle und der Bewegung des Fisches selbst. Für einen ein Meter langen Hecht sind das ein bis zwei Meter, keine zehn Meter, und genau darin unterscheidet sich die Seitenlinie vom Gehör.
Warum das kein Schall ist
Das Innenohr fängt Druckschwankungen und hört weit. Die Seitenlinie fängt die Strömung selbst. Das sind zwei verschiedene Organe mit unterschiedlichen Distanzen, und sie zu verwechseln heißt, vom Köder etwas anderes zu erwarten, als er leistet. Beide zusammen in der Karte über die Akustik.
Mit demselben Organ hält der Fisch seine Position
Die Seitenlinie braucht der Fisch nicht nur zur Jagd: Mit ihr liest er die Strömung und hält sich im Strom, umgeht Hindernisse in der Dunkelheit und hält die Formation im Schwarm. Der Köder trifft auf ein Organ, das ständig arbeitet, nicht nur beim Jagen einschaltet.
Wann sie entscheidet
Nachts, in Trübung, im Schlick und unter dem Eis — überall dort, wo das Sehen ausfällt. Der Räuber findet den Köder über die Spur, die er im Wasser hinterlässt, und tut das aus kurzer Distanz.
Was daraus für die Führung folgt
Da das Organ nur nah wirkt, muss der Köder direkt am Fisch vorbei geführt werden, nicht irgendwo im Gewässer. In trübem Wasser bedeutet das engere Würfe und ein langsameres Tempo, keinen lauteren Köder: Lautstärke vergrößert die Reichweite der Seitenlinie nicht.
Die Größe der Spur hängt vom Körper ab
Ein breiter Shad verdrängt mehr Wasser als ein schmales Minnow, und seine Spur ist breiter. Deshalb nimmt man in dichter Trübung einen voluminösen Köder, keinen grellen — dort wirkt genau dieser Kanal.
Was wir hier nicht schreiben
Wir geben keine genauen Distanzen in Metern für bestimmte Arten an. Solche Daten stammen aus Beckenversuchen mit wenigen Arten, und sie auf einen Hecht im Schilf zu übertragen wäre erfunden.